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Dipl.-Ing. Wilfried Böhling (Landespflege)

Landschaftsplaner aus Stade nahe Hamburg


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Nachfolgender Text ist 1997 in Form eines Faltblattes beim Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. Kreisgruppe Stade (BUND), erschienen. Weitere Veröffentlichungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz können Sie unter http://www.bund.stade.net nachsehen. 

Heuschrecken:

Die kleinen rufenden Insekten aus einer Sommerwiese
Scheint die Sonne im Spätsommer, dann sind die Heuschreckenarten mit den charakteristischen Lauten ihrer Gesänge zu hören. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der das typische Wegspringen der Heuschrecken und die charakteristischen Laute der Gesänge aus einer Sommerwiese oder am Wegesrand diesen auffälligen Tieren nicht zuordnen würde. 

Die Lebensräume der Heuschrecken
Viele Heuschreckenarten zeigen klare, ausgeprägte Habitatbindungen an ein bestimmtes Mikroklima, an die Bodenbeschaffenheit sowie an den Vegetationsaufbau. Heuschrecken besiedeln fast alle Bereiche, von den Sumpfwiesen und Seggenbeständen über Wälder, Gebüschen und Gärten bis zu den trockensten, vegetationslosen Ruderalstellen und Magerrasen.
Kurzgrasige Trockenrasen, Feuchtwiesen und sonnige Waldsäume sind besonders artenreiche Heuschreckenbiotope. Die größte Artenvielfalt ist dort anzutreffen, wo kleinräumig sehr unterschiedliche Lebensbedingungen vorherrschen. So läßt sich häufig anhand der vorkommenden Heuschreckenarten sehr deutlich ein kleinräumiges Mosaik unterschiedlicher Lebensbedingungen in einem scheinbar gleichförmigen Gebiet dokumentieren.

Gefährdung
Wie so viele andere Insektengruppen sind auch unsere heimischen Heuschrecken in unserer heutigen Landschaft bereits selten geworden. 
Die volkstümlichen Namen wie Warzenbeißer, Grünes Heupferd, Heimchen und Maulwurfsgrille verraten einiges über Aussehen und Lebensweise dieser Heuschrecken. Die Namen machen auch deutlich, wie weit verbreitet und "normal" der Artenreichtum früher gewesen sein muß.
Heute sind von den heimischen Heuschreckenarten 45 % gefährdet.
Die Heuschreckenlebensgemeinschaften der Trockenrasen und der Feuchtwiesen haben derzeit die stärkste Negativentwicklung zu verzeichnen. Einer der Gründe liegt in der Nutzungsänderung wie Entwässerungsmaßnahmen, Nutzungsintensivierung (z.B. durch Düngung, Erhöhung des Viehbestandes, Ackernutzung, Aufforstung), Umwandlung in Wasserflächen, maschinelle Grabenräumung sowie Bachbegradigungen.

Heuschrecken: Die singenden Insekten
Mit ihrem lauten, abwechslungsreichen und zum teil melodischen "Gesang" gehören die Heuschrecken zu den auffälligsten Insekten im Spätsommer und bis in den Herbst hinein. 

Die wenigsten wissen, daß fast jedes Männchen der ca. 75 heimischen Heuschreckenarten in der Bundesrepublik seinen artcharakteristischen Ruf besitzt, um Weibchen anzulocken. Allgemein haben die Lautäußerungen -Stridulation genannt- verschiedene Aufgaben wie Lockgesänge zur Weibchenfindung, Balzgesänge oder Rivalengesänge. Manche Arten singen auffällig laut, andere wiederum sind nur in unmittelbarer Nähe für das menschliche Gehör wahrnehmbar. Einige wenige lassen sich nur mit Ultraschallgeräten hören. Unter den Insektenkundlern zählt das Studium der hochentwickelten Heuschreckengesänge zu den faszinierenden Bereichen der Verhaltenskunde.
Die Töne werden auf unterschiedlicher Weise erzeugt. Bei fast allen Langfühlerschrecken werden z.B. die beiden Vorderflügel leicht angehoben und dann gegeneinander gerieben. Die Feldheuschrecken erzeugen z.B. ihre Laute, indem sie mit ihren Hinterschenkeln über die Flügel reiben. Die Eichenschrecke trommelt mit ihren Beinen auf Laubblättern - diese Art der Lauterzeugung ist ohne Ultraschllgerät für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar.

Die Feldheuschrecken (Kurzfühlerschrecken) sind meist ausgesprochene Pflanzenfresser und ernähren sich in der Regel von Gräsern, hingegen benötigen die meisten Laubheuschrecken (Langfühlerschrecken) und Grillen eine gemischte Kost. Der tierische Anteil, der aus weichhäutigen Insekten wie Raupen, Blattläusen und Wanzen besteht, kann bis zu zwei Drittel der Nahrung ausmachen.
Ihre Eier legen die Heuschrecken im Spätsommer bis Herbst z.B. an trockenen Grashalmen oder auch im Boden ab. Mit Beginn der ersten Bodenfröste im Herbst endet das Heuschreckenleben, mit Ausnahme der Grillen und Dornschrecken. Die Eier überstehen den Winter. Im Frühjahr entwickeln sich die Heuschrecken aus dem Ei über eine unterschiedliche Zahl von Larvenstadien im Sommer zum ausgewachsenen und geschlechtsreifen Tier bis sie wieder ihren Sommergesang anstimmen.
Die Heuschrecken zählen zu den Insekten mit unvollständiger Verwandlung, weil bei ihnen das sonst für die Metamorphose der Insekten typische Puppenstadium fehlt, wie z.B. die Metamorphose bei den Schmetterlingen vom Ei zur Raupe, Puppe und anschließend aus der Puppe schlüpfenden Schmetterling.


CD Heuschreckengesänge:

Heiko Bellmann: Die Stimmen der heimischen Heuschrecken - Naturbuch Verlag (ISBN 3-89440-119-2/


Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. Kreisgruppe Stade -Hans-Kelm-Haus-
Am Bohrfeld 8 21684 Stade 
Tel.: 04141/ 6 33 33 Fax : 04141/ 6 34 35

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Anschrift des Verfassers: Dipl.-Ing. Wilfried Böhling, Friesenstr. 3, 21680 Stade

Veröffentlicht in: 
Naturschutz-Information des BUND [1997] 

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