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Dipl.-Ing. Wilfried Böhling (Landespflege)

Landschaftsplaner aus Stade nahe Hamburg


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Eine Beobachtung zur Überwinterung des Trauermantels

(Nymphalis antiopa L.) in der Lüneburger Heide

von Wilfried Böhling, September 1996

Einleitung
Der Trauermantel (Nymphalis antiopa L.) gehört zu der größten Tagfalterfamilie den NYMPHALIDAE, die so bekannte Arten wie z.B. Distelfalter (Vanessa cardui), Admiral (Vanessa atalanta), Tagpfauenauge (Inachis io), Kaisermantel (Argynnis paphia) oder Kleinen Fuchs (Aglais urticae) umfaßt. Die Familie enthält einige gut bekannte Wanderfalter, die im Herbst versuchen, in den Süden zu wandern (vgl. EITSCHBERGER & STEINIGER 1980). Andere Arten aus der Familie der NYMPHALIDAE wie z.B. Inachis io, Aglais urticae oder Nymphalis antiopa überwintern hier als Imagines. Nachfolgend ist eine Beobachtung zum Überwinterungsplatz des Trauermantels (Nymphalis antiopa L.) aus der Lüneburger Heide aus dem Jahr 1996 beschrieben und soll einen weiteren Beitrag über die Überwinterung dieser Art liefern, die nach EBERT & RENNWALD (1991) schlecht belegt ist.


Foto Trauermantel

Trauermantel (Nymphalis antiopa L.) 
Fundort: Stübeckshorn (s.u.)
Foto 24.03.1996: Wilfried Böhling

Gebietsbeschreibung
Der Fundort des Falters liegt im niedersächsischen Landkreis Soltau-Fallingbostel, ca. 14 km nordöstlich der Stadt Soltau. Es handelt sich um einen ca. 1 ha großen, lichten Wald mit alten Eichen und Buchen innerhalb des überwiegend aus Kiefern bestehenden Töpinger Forstes nördlich des Ortes Stübeckshorn (TK 25: Blatt 2925 Bispingen, NLÖ 1993).
Südlich grenzt eine Waldparzelle mit Birken-Stangenholz und nordöstlich ein Wildacker an. Der lockere und alte Baumbestand läßt viele Lichtinseln in dem Wäldchen zu. Der Fundort befindet sich am Rand der ehemaligen "Roten Flächen", die den britischen Streitkräften vor ihrem Abzug für militärische Übungen dienten (vgl. KREIE et al. 1993). Breite Waldwege mit Hochstaudenfluren führen durch den Töpinger Forst, die seinerzeit von den britischen Streitkräften mit Kettenfahrzeugen befahren wurden. Von Norden bis Osten reihen sich mehrere bis zu ca. 3000 m² große Lichtungen an. Diese ehemaligen Schießbahnen sind Heideflächen, die teilweise ruderalisieren und auf denen Birkenanflug sukzessiv hervor tritt.

Fundort, Lebensweise und Gefährdung
Am 24.03.1996 fand ich in dem oben beschriebenen Laubwald ein Individuum des Trauermantels (Nymphalis antiopa L.) in einem Holzscheithaufen. Das in seiner Färbung prächtige Tier überwinterte zwischen Holzscheiten, die zu einem Feuerholz-Lagerplatz aufgeschichtet waren. WEIDEMANN (1995) nennt als Überwinterungsquartiere Baumhöhlen und Holzstapel. RETZLAFF (1973) fand zwei Winterquartiere in einem lichten Kiefernbirkenwald. Ein Individuum befand sich nach seinen Angaben in einer hohlen Birke und das andere in einem Blechgefäß. Die zahlreichen Schwarzspechthöhlen in dem Wäldchen könnten möglicherweise auch als Winterquartier dienen.

Der sehr frische und farbenprächtige Zustand der Flügeloberseite des Falters mit den breiten gelben Rändern und leuchtend blauen Flecken deutet auf eine sehr kurze sommerliche Flugdauer hin. Die von WEIDEMANN (1995), FORSTER & WOHLFAHRT (1985) und BERGMANN (1952) beschriebenen, nach der Überwinterung weißlich ausgeblichenen Ränder der Flügeloberseiten, können bei diesem Fund nicht bestätigt werden.
Flügelunterseits ist Nymphalis antiopa schmutzig schwarzgrau mit hellen Rändern. Nach CHINERY (1979) steht die dunkle Färbung der Flügelunterseite im Zusammenhang mit dem Überwintern der Imagines. Sie dient dem Falter im Winter dazu, sich in dunklen Ecken vor Feinden verbergen zu können.

Einige Tage später (06.04.1996) konnte wiederholt ein Falter in diesem Abschnitt beobachtet werden, der die Sonnenscheininseln zum Wärmetanken nutzte. Auch er war farbenprächtig entwickelt. Am 21.04.1996 wurde ein weiteres Individuum nahe des Kinderheimes in Stübeckshorn an der B 209 sowie in Stade am 15.05. am Burggraben (TILLIß 1996, mdl.) beobachtet. Am 16./20.08.1996 konnten mehrere Individuen wiederholt im Bereich des Wäldchens und auf einer ehemaligen Schießbahn beobachtet werden.
Der Falter fliegt nach RETZLAFF (1973) in einer Generation von Anfang Juli bis Mitte September und nach der Überwinterung wieder von Anfang März bis Ende Mai.

Auf der Roten Liste (RL) der in Niedersachsen gefährdeten Schmetterlinge (LOBENSTEIN 1988) ist Nymphalis antiopa als gefährdet (RL 3) eingestuft. In dieser Gefährdungskategorie befinden sich Arten, deren Bestände überregional niedrig, regional bzw. vielerorts lokal sehr niedrig (geworden) sind (LOBENSTEIN 1988). In der Lüneburger Heide scheint Nymphalis antiopa noch gleichmäßig verbreitet zu sein (DBV 1988). Nach WEIDEMANN (1995) kommt der Falter an Waldrändern, in Schneisen und Schonungen vor. Als Eiablageplatz dienen nach EBERT & RENNWALD (1991) Birken und Weiden. Die Birken sind am Fundort sowohl in Form eines Birkenstangenholzbestandes vorzufinden als auch entlang der breiten Wege und verstreut in dem Kiefernforst. Die Raupen ernähren sich von Juni bis Juli an Birke, Sal-, Ohr- und Grauweide (EBERT & RENNWALD 1991). Sie leben in Raupennestern in den Wipfeln der Bäume, meist an den absonnigen Waldrändern. Als Rückgangsursachen sind die in der intensiven Forstwirtschaft durchgeführten Nadelholzaufforstungen auf sommertrockenen Standorten, ein zu dichter Kronenschluß ohne offene Randbereiche, zu weitgehende Weichholzaushiebe, Entwässerung sowie zu dichte Randbestockung zu nennen (vgl. AK FORSTLICHE LANDESPFLEGE 1984). SEDLAG (1986) nennt außerdem als Rückgangsursachen die meist in der intensiven Forstwirtschaft durchgeführten Bekämpfungsmaßnahmen gegen Forstschädlinge, wodurch die Raupen in Mitleidenschaft gezogen werden. WEIDEMANN (1995) vermutet ebenfalls Insektizide als einen Hauptgrund für den starken Rückgang. Als Schutzmaßnahmen, die auch für viele andere Arten gelten, sind zu nennen: Erhalt und Aufbau vielfältig gestalteter Wälder mit kleinräumig wechselnden Bedingungen, zumindest teilweises Zulassen von Waldlichtungen und Windwurfflächen, Entwickeln von Waldaußen- und Waldinnenränder mit breiten Säumen, der Erhalt von Weichholzbäumen als Raupenfutterpflanzen sowie kein Mähen der Säume und kein Spritzen von Insektiziden.


Literatur
AK FORSTLICHE LANDESPFLEGE (1984): Biotoppflege im Wald. Kilda Verlag.

BERGMANN, A. (1952): Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands. Bd. 2 Tagfalter Verbreitung, Formen und Lebensgemeinschaften. 495 S. Urania-Verlag, Jena.

CHINERY, M. (1979): Insekten Mitteleuropas. Verlag Paul Parey, 2. Aufl. Hamburg, Berlin.

DBV (DEUTSCHER BUND FÜR VOGELSCHUTZ)(1988): Trauermantel - die Suche geht weiter. LÖLF-Mitteilungen 13. Jg., Heft 3: 8, Recklinghausen.

EBERT, G. & RENNWALD, E. (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Bd. 1, Tagfalter I, Ulmer Verlag, 552 S.

EITSCHBERGER, U. & STEINIGER, H. (1980): Neugruppierung und Einteilung der Wanderfalter für den europäischen Bereich. Atalanta, Bd. 11, Heft 4: 254-261, Würzburg.

FORSTER, W. & WOHLFAHRT, T.A. (1984): Die Schmetterlinge Mitteleuropas. Bd.2 Tagfalter/Diurna (Rhopalocera und Hesperiidae). Stuttgart.

KREIE, B., PRÜTER, J. & VAUK, G. (1993): Einer trage des Anderen Last - 12.782 Tage Soltau-Lüneburg-Abkommen. Mitteilungen aus der NNA 4. Jg., Sonderheft: 1-23, Schneverdingen.

LOBENSTEIN, U. (1988): Rote Liste der in Niedersachsen gefährdeten Großschmetterlinge - Stand 1986. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 8. Jg. (6): 109-136.

NLÖ (1993): Kartographische Arbeitsgrundlage für faunistische und floristische Erfassungen nach Tierarten-Erfassungsprogramm und Pflanzen-Erfassungsprogramm der Fachbehörde für Naturschutz. Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen A/5, 1. Aufl. 1993, Niedersächsisches Landesamt für Ökologie - Naturschutz, Hannover.

RETZLAFF, H. (1973): Die Schmetterlinge von Ostwestfalen-Lippe und einigen angrenzenden Gebieten Hessens und Niedersachsens (Weserbergland, südliches Westfälisches Tiefland und östliche Westfälische Bucht) I. Teil. - Bericht Naturwiss. Verein Bielefeld 21: 129-248. Bielefeld.

SEDLAG, U. (1986): Insekten Mitteleuropas. Beobachten und bestimmen. Enke Verlag. 408 S. Stuttgart.

WEIDEMANN, H.J. (1995): Tagfalter beobachten, bestimmen. Naturbuch Verlag, 2. völlig neu bearb. Aufl., 659 S., Augsburg.

 

Anschrift des Verfassers: Dipl.-Ing. Wilfried Böhling, Friesenstr. 3, 21680 Stade

Veröffentlicht in: 
Beiträge zur Naturkunde Niedersachsens 49 (3-4/1996): 153-155

Weitere Informationen über den Trauermantel (Nymphalis antiopa) finden Sie auf der

Website http://www.trauermantel.de/nymphalis_antiopa_information.htm

Hier stelllt Ingo Daniels aus Bonn viele Informationen zur Verfügung. Es lohnt sich, diese Seite zu besuchen. 

Weitere Informationen zur regionalen Verbreitung der Tagfalterfauna finden Sie bei der Norddeutschen Naturschutzakademie - Hof Möhr (NNA) - Schneverdingen-Heber [www.nna.de].   

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